Sucht und Familie  - Co-Abhängigkeit -

Was passiert eigentlich in einer Familie, in der ein Mitglied in eine Sucht abgleitet?

Zunächst machen sich die übrigen Familienmitglieder Sorgen und versuchen zu helfen. Wenn z.B. der Vater in eine Sucht abgleitet, wird die Frau alles tun, um dies zu verhindern. Wenn dies aber nicht hilft, das Trinkverhalten zunimmt, werden die "Rettungsversuche" und die Anstrengungen der Frau immer größer. Die Frau verstrickt sich in das Suchtsystem und hilft - unbewusst - dieses System am Leben zu erhalten und es kommt zur sogenannten Co-Abhängigkeit

IMG_9959.jpeg

Es gibt in Deutschland allein 1,8 Millionen Alkoholabhängige - auf jeden davon kommen im Schnitt 4 Angehörige. Das macht eine Zahl von 7,2 Millionen Angehörigen. 90 % der Co-Abhängigen sind Frauen! Warum ist das so? Frauen empfinden es meist als ihre Aufgabe Ehe und Familie zusammenzuhalten, ihr Beziehungsverhalten ist geprägt von Mitgefühl und Fürsorge. Eine Frau, die ihren suchtkranken Partner verlässt, wird von der Gesellschaft geächtet, da sie ihren Partner im Stich gelassen hat. Einem Mann hingegen ist eine abhängige Frau nicht zuzumuten. Neigt man als Frau dann noch zu einem unsicheren Verhalten und macht sein Glück vom anderen abhängig, ist der Grundstein für eine Co-Abhängigkeit gelegt. Co-Abhängigkeit hat also nichts damit zu tun, dass man dann mittrinkt, sondern ist eine "Beziehungsstörung".

Eine Co-Abhängigkeit verläuft bei vielen Menschen in ähnlichen Phasen:

1. Entschuldigungs- und Beschützerphase

Die Frau bringt dem Verhalten des Mannes Verständnis entgegen. Er trinkt, aber sie kann seine Gründe nachvollziehen. Sie erklärt das Verhalten gegenüber Freund*innen, Nachbarn und der Familie. Sie meint zu wissen, was ihm wirklich fehlt und möchte ihn durch Liebe retten.

2. Kontrollphase

Die Abhängigkeit spitzt sich langsam zu. Die Frau setzt sich immer mehr und mehr mit ihrem Mann und seiner Trinkerei auseinander. Sie schüttet den Alkohol weg, versteckt die Flaschen. Nach außen hält sie die Fassade aufrecht. Sie bildet den perfekten Gegenpol zum Verhalten ihres Mannes, versucht all das zu erledigen, was er nicht mehr schafft. Die Frau möchte die Kontrolle nicht verlieren. Sie glaubt: " Wenn ich mir nur genügend Mühe gebe, werde ich die Situation in den Griff bekommen." Die Folge ist aber meist, dass der Betroffene das Suchtmittel heimlich nimmt und den Konsum vertuscht und leugnet.

3. Anklagephase

Wenn die Sucht über einen längeren Zeitraum besteht, sind die Angehörigen oft resigniert und wütend. Sie machen ihm Vorwürfe und drohen ihm, ihn zu verlassen. Sie verhalten sich ablehnend und sogar verächtlich. Der Abhängige wird zum Sündenbock: er hat Schuld, dass die Frau kein eigenes Leben mehr führen kann und sich nur noch um ihn kümmert.

spiral-311612_960_720.webp

Am Ende, konnte dem Betroffenen nicht geholfen werden und die vormals helfende Frau findet sich am Ende ihrer Kräfte und wird selber krank.

Deshalb ist es wichtig, sich früh Hilfe von außen zu holen, offen über die Probleme zu sprechen und keine Verantwortung für den anderen zu übernehmen, bei sich bleiben und gut für sich zu sorgen.

Wenn ihr Fragen zu diesem Thema oder rund um das Thema "Substanzen" habt, meldet euch einfach, entweder im Montags-Chat oder in der Beratungsstelle.

Top Themen - Archiv

 

Top Thema I - Deutschrap & Drogen

dancer-1454349_1280.png
vape-4811030_1920.jpg

TopThema II Liquids

TopThema III - Doping beim Lernen

girl-5662435_1920.jpg

TopThema IV - Beziehung und Drogen

quarrel-2847445_1920.jpg

TopThema V - Kinder aus suchtbelasteten Familien

boy-36559_960_720.png